Bundesweites PraxisRegister für Schmerzpatienten – DGS e.V. - Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

DGS PraxisRegister Schmerz

 

Mit dem bundesweiten Versorgungsforschungsprojekt „PraxisRegister Schmerz“ stellt die DGS seit Ende 2014 allen schmerzmedizinisch interessierten Ärzten das vollelektronische Online-Tool iDocLive® zur Verfügung. Bis zum 01. Oktober 2019 über 250.000 Behandlungsfälle im PraxisRegister Schmerz dokumentiert, allein im Jahr 2018 wurden 31.756 Patienten über die Plattform evaluiert. An dem Projekt sind aktuell deutschlandweit 175 iDoc-Live®-Zentren beteiligt.

Insgesamt 662 Schmerzmediziner, 743 Ärzte anderer Fachrichtungen und 2.377 Vertreter nicht-medizinscher Fachgruppen nutzen die Online-Plattform nicht nur als diagnostisches Hilfsmittel für ihren Praxisalltag, sondern auch zur Verlaufsbeobachtung und Terminplanung.
Das PraxisRegister Schmerz ist das größte nicht-kommerziell betriebene Behandlungsregister weltweit. (Stand: 12/2018).
 

Kollektivierung von Routinedaten der Regelversorgung zur Stärkung der Versorgungsforschung

Entscheidungen im Gesundheitswesen sollten nicht nur auf Grundlage randomisierter kontrollierter Studien, sondern auch auf wissenschaftlicher datengestützter Evidenz aus der ambulanten primär- und fach-/spezialärztlichen sowie der stationären Versorgung beruhen. Tagesaktuelle, patientenbezogene Daten aus der ärztlichen Praxis sind hierfür ideal, denn sie spiegeln nicht nur die Versorgungsrealität/ -qualität im gelebten Alltag wider, sondern bilden auch – sowohl auf systemischer wie individueller Ebene – den Erfolg von konkreter Maßnahmen direkt ab und sind damit idealer Ausgangspunkt für eine realitätsnahe Versorgungsforschung.

Das PraxisRegister Schmerz (PRS) ist eine relationale Datenbank, in der schmerzmedizinische Routinedaten des ambulanten/stationären Sektors gesammelt und in anonymisierter Form der Versorgungsforschung zugänglichgemacht werden. Grundlage sind die komplementären
Web-Applikationen iDocLive® (für Therapeuten) und meinSchmerz.de (für Patienten und Angehörige), die unter Beachtung der Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung und Verwendung autorisierter Endgeräte über gesicherte Verbindung verschlüsselte Informationen zu ihrer Schmerzerkrankung entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. unter Verwendung validierter Selbstauskunfts- und Fremdbeobachtungsinstrumente, nicht-/medikamentösen Therapien sowie den Behandlungsverlauf erfassen. Dokumentationsdichte bzgl. Quer- und Längsverlauf liegen dabei – wie auch die Auswahl der konkret verwendeten Instrumente – im Ermessen des behandelnden Therapeuten und können jederzeit frei und individuell an die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung, den Patienten und Form/Stadium seiner Erkrankung angepasst werden. Vollständig (d.h. sowohl bzgl. Patient als auch Behandler/Einrichtung) anonymisierte Daten bieten neue Ansatzpunkte für bis lang kaum für möglich gehaltene Versorgungsforschungsfragestellungen.

 

Versorgungsforschung ist komplex

 Die endlosen Diskussionen um die unzulängliche Alltagstauglichkeit schmerzmedizinischer Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) als auch die Entscheidungen des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum (Zusatz-)Nutzen neuer Medikamente zeigen seit geraumer Zeit, dass die für Zulassungsfragen wichtigen, randomisierten, placebokontrollierten Studien nur bedingt dazu geeignet sind, die Wertigkeit eines Arzneistoffes oder einer nichtmedikamentösen Maßnahme für den konkreten Behandlungsfall im praktischen Alltag zu belegen.

Zu realitätsfern, zu theoretisch, zu artifiziell sind die Bedingungen, unter denen diese Studien infolge der komplexen rechtlichen Vorgaben nationaler wie internationaler Zulassungsbehörden durchgeführt werden müssen. Zu beschränkt sind damit die versorgungsrelevanten Aussagen, die auf der Grundlage solcher Studien gewonnen werden können. Kein Wunder, dass der Kreis derer, die seit einiger Zeit nach Versorgungsdaten aus dem klinisch-praktischen Alltag rufen, immer größer wird. Patient-reported/relevant outcomes (PRO) werden gefordert. Sie sollen aber unter Alltagsbedingungen erhoben werden – und das am besten auch noch unter Bedingungen, wie sie von kontrollierten klinischen Studien bekannt sind. Ziel ist es, mögliche Bias gering zu halten bzw. zu vermeiden

Wie schwierig diesem nachvollziehbaren Wunsch nach versorgungsrelevanten Daten entsprochen werden kann und wie komplex die Entwicklung derartiger Versorgungsforschungsprojekte ist, zeigen die verschiedenen, derzeit bereits laufenden Ansätze. Entweder ist – zur Gewährleistung einer ausreichend niedrigen Teilnahmeschwelle – der zu betreibende Aufwand so gering, dass die resultierenden Aussagen kaum der Rede wert sind. Oder es sind die logistischen Anforderungen und die Kosten so hoch, dass trotz mehrjähriger Bewerbung kaum Teilnehmer oder in nennenswertem Umfang verwertbare Behandlungsdokumentationen erhoben werden können. Ist das Ganze kostenfrei, besteht die Gefahr, dass die entsprechenden Daten bei pharmazeutischen Unternehmen landen, die damit die Vermarktung eigener Produkte vorantreiben.
 

Neues Dokumentationssystem

Grundlage des PraxisRegister Schmerz ist eine Plattform- und Betriebssystem-unabhängige, responsive Webanwendung (iDocLive®). Durch die spezielle Struktur dieses innovativen Dokumentationssystems können Daten nicht nur über bereits vorhandene internetfähige Endgeräte (wie z. B. Praxisrechner, Notebooks, Tablets oder Smartphones) eingegeben bzw. ausgelesen werden. Vielmehr lassen sich Eingaben auch vielseitig (z. B. aus der Praxis, in der Wohnung des Patienten oder von unterwegs aus) aktualisieren und Daten von verschiedenen Behandlern zum Zweck der Versorgungsoptimierung zeitgleich nutzen.
Komplexe Verschlüsselungsalgorithmen, HTTPS (HyperText Transfer Protocol Secure)-Protokolle, Pseudonymisierungsprozesse und Abstraktionsebenen gewährleisten nicht nur eine Datenschutzrichtlinen-konforme, redundante Sicherung der Versorgungsdaten auf Servern in zertifizierten deutschen Rechenzentren, sondern auch eine „Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit“ der Daten.
 

Weg von der Theorie – hin zur Praxis

Für die standardisierte Dokumentation stehen alle aktuell verfügbaren schmerzmedizinischen Komplexinstrumente (wie z. B. der Deutsche Schmerzfragebogen oder das Deutsche Schmerztagebuch) in elektronischer Form und in verschiedenen Sprachen (geplant sind zunächst deutsch, englisch und türkisch) zu Verfügung. Die neue Webanwendung bietet dem interessierten Anwender auch die Möglichkeit, aus einer umfangreichen und kontinuierlich wachsenden Bibliothek verfügbarer Fragebogeninstrumente eigene Dokumentationstools zu entwickeln.

Die elektronische Dateneingabe unterscheidet sich für den Patienten kaum von der vormals auf Papier vorgenommenen. Für die Praxis jedoch bietet sie den Vorteil, dass keinerlei Aufwand bezüglich von Folgebearbeitung – z. B. durch Einscannen von Fragebögen – notwendig werden. Tabellarische und grafische Auswertungsroutineanwendungen geben unmittelbar nach Dateneingang nicht nur Einsicht in den Krankheitszustand und -verlauf des Patienten, sondern erlauben auch die Darstellung komplexer Behandlungsverläufe.

Die Einbindung medizinischer Datenbanken (wie z. B. der Roten Liste) erleichtern die Diagnose und Behandlungsdokumentation. Intelligente Datenbankroutineanwendungen geben Hilfestellung bei der Zuweisung versorgungsrelevanter Diagnosecodes und der Bereitstellung druckfähiger Patientenberichte. Interaktive Programmmodule erinnern Behandler wie Patienten an notwendige Dokumentationen oder Verlaufstermine. Darüber hinaus erleichtern routinemäßig verfügbare Benchmarking-Analysen spezifischer Praxisbesonderheiten bezüglich bestimmter Indikationsgebiete oder spezieller Patientenkollektive teilnehmenden Ärzten den Nachweis individueller Praxisbesonderheiten.

Großen Wert haben die Entwickler des neuen Dokumentationssystems auf die einfache Skalierbarkeit gelegt. Das System ist flexibel handhabbar, sodass nicht nur große, spezialisierte Schmerzzentren mit einer entsprechenden personellen und finanziellen Ausstattung, sondern auch kleinere Praxen mit schmerzmedizinisch interessierten Ärzten von den Vorteilen profitieren können. Ein handelsübliches Tablet – egal welchen Betriebssystems – in Verbindung mit einer WLAN-Verbindung reichen aus, um alle Vorteile des neuen Dokumentationssystems nutzen zu können, denn das Tablet kann dank der intelligenten Software sowohl vom Praxispersonal für die Verwaltungsdokumentation, von den Patienten zum Ausfüllen der Schmerzfragebögen und vom behandelnden Arzt für die Auswertung und Berichtserstellung verwendet werden. Besondere Vorteile ergeben sich durch die zentralisierte Datenspeicherung des neuen Dokumentationssystems nicht nur für besondere Dokumentationssituationen (wie z. B. Hausbesuche), sondern auch im Urlaub oder bei Notfällen.
Dank spezieller Zugangscodes können hier z. B. für die notfallversorgenden Ärzte/Zentren die Patientendaten für Lese-oder Schreib-Lese-Prozesse geöffnet werden; auf diese Weise lässt sich einer optimalen Notfallversorgung der Weg ebnen.
Egal von wo und egal zu welchem Zeitpunkt – die Daten des DGS-Praxisregister Schmerz stehen den Nutzern des neuen Dokumentationssystems immer und jederzeit zu Verfügung.

Gleichzeitig erlauben die pseudonymisierten Daten des DGS-PraxisRegisters Schmerz Einblicke in die Realität der Patientenversorgung und eröffnen neue Perspektiven für eine praxis- bzw. patientenrelevante Versorgungsforschung. Durch die Verwendung standardisierter Dokumentationsinstrumente wird gewährleistet, dass die Patienten- bzw. Zentrums-bezogenen Analysen etablierten Anforderungen wie z. B. der Kerndokumentation und Qualitätssicherung Schmerz (KEDOQS) entsprechen.


Viele Vorteile – und Nutzung für DGS-Mitglieder kostenfrei

Für DGS-Mitglieder, die sich am DGS-Praxis-Register Schmerz beteiligen, bietet das neue Dokumentationssystem eine kostenlose, einfache und elegante Möglichkeit, allen Dokumentationsverpflichtungen im Rahmen der Qualitätssicherungsvereinbarung – inklusive der Berichtspflicht – nachzukommen.