8 Wahlprüfsteine der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zur Europawahl 2024

Lesen Sie dazu die aktuelle DGS-Pressemitteilung


 

1.) 23 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an chronischen Schmerzen, ca. 4 Millionen sind schwergradig chronifiziert. Irland hat einen Facharzt für Schmerzmedizin eingeführt. Was wollen Sie konkret tun, um die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern?

Antworten der Parteien


Hinweis:
*BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN konnten vor der Europawahl 2024 keine Antworten liefern.

 

CDU / CSU

Die Fragen 1, 3 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
In Europa leiden schätzungsweise 100 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. CDU und CSU sind davon überzeugt, dass Schmerzforschung und -therapie deshalb auf die Agenda der Europäischen Union gehören. Wir setzen uns dabei für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung ein. Der daraus resultierende Mehrwert für Patientinnen und Patienten ist gleichzeitig ein Gewinn für die Gesellschaft. Denn die Rückkehr in ein schmerzfreies oder schmerzarmes Leben, kann die Arbeitsfähigkeit von Betroffenen fördern. Mit Blick auf Deutschland müssen wir die Perspektive einer Facharztausbildung mit entsprechender Vergütung in den Blick nehmen, um den ärztlichen Nachwuchs für die Schmerzmedizin zu begeistern.

DIE LINKE.

Schmerz ist eine der Krankheitsfolgen, die die Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen besonders stark einschränken. Ihn zu lindern oder ihm vorzubeugen ist wo notwendig eines der wichtigsten Behandlungsziele. Die Linke unterstützt daher unter anderem die Aufwertung der Schmerzmedizin in der Ausbildung, die Berücksichtigung in der Bedarfsplanung, die Förderung der Spezialisierung auf Schmerzmedizin und die Förderung der Kompetenz in der Schmerzbehandlung in allen Disziplinen, insbesondere der Allgemeinmedizin.
 

FDP

Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch. In der hausärztlichen, fachärztlichen und stationären Versorgung sind wir immer stärker mit Versorgungsengpässen konfrontiert. Es besteht seit längerem erheblicher Reformbedarf hinsichtlich der Rahmenbedingungen für die freiberufliche Tätigkeit von Ärzten in Deutschland. Als Freie Demokraten wollen wir mehr Freiräume und größere Gestaltungsspielräume für Ärzte, aber im Besonderen auch eine deutliche Stärkung der Freiberuflichkeit und der Selbstverwaltung. Damit auch in Zukunft ausreichend Fachärzte für die Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten verfügbar sind, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Wir benötigen motivierten und gut ausgebildeten medizinischen Nachwuchs in allen Bereichen und in der ambulanten Versorgung Entbürokratisierung, leistungsgerechte Vergütung und flexible Niederlassungsmöglichkeiten. Honorarzwänge und unflexible Bedarfsplanung verhindern die angemessene Versorgung von Patientinnen und Patienten. 

SPD

Die Schmerzmedizin hat sich weltweit zu einer eigenen medizinischen Fachrichtung entwickelt. Die Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin, der schwergradig chronifizierte Schmerzpatient*innen behandelt, wäre daher sowohl aus der Versorgungsperspektive als auch aus der berufsrechtlichen Perspektive sinnvoll. Zugleich sind es in der Regel die Hausärzt*innen, die die Schmerzpatient*innen zuerst sehen. Daher wollen wir auch die Möglichkeit der Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie beibehalten und das Interesse an ihr u.a. durch den Ausbau der geförderten Lehrangebote stärken. Damit soll das notwendige Fachwissen auch an die Facharztkompetenzen der Hausärzt*innen gekoppelt und die Versorgung breiter aufgestellt werden. Zudem brauchen wir mehr fallbezogene, interdisziplinäre und an den Bedarfen orientierte Kooperation verschiedener Gesundheitsberufe, die bei einer Schmerztherapie zusammenwirken. Das Ziel ist eine fach- und bedarfsorientierte Versorgung von Menschen mit und ohne chronische Schmerzen.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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2.) In Deutschland stehen für 4 Millionen schwergradig chronifizierte Schmerzpatienten nur ca. 1.300 ambulant tätige Schmerzmediziner zur Verfügung, die jeweils ca. 300 Patienten pro Quartal versorgen. Ist Ihnen diese große Versorgungslücke bekannt?  Was werden Sie tun?

CDU / CSU

Die Fragen 2 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
CDU und CSU fordern die deutsche Bundesregierung auf, Versorgungsengpässen entgegenzuwirken und die Schmerzmedizin in aktuellen Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen. 
Den Versorgungsauftrag für die ambulante ärztliche Versorgung sehen wir bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und die Zuständigkeit für die Bedarfsplanungs- Richtlinie beim G-BA, der sie kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.

DIE LINKE.

Ja, diese Versorgungslücke ist uns bekannt und Die Linke sieht sie sehr kritisch. Deshalb unterstützt Die Linke die Berücksichtigung der Schmerzmedizin in der Bedarfsplanung. Spezialisierte Praxen und Ambulanzen für Schmerzmedizin sind für viele Schmerzformen sinnvoll, unter anderem chronifizierte Schmerzen und Schmerzen unklarer Genese. Diese Einrichtungen sollten daher flächendeckend in angemessener Dichte zur Verfügung stehen. Dafür sollten Schmerzambulanzen oder andere spezialisierte Einrichtungen gesondert in der Bedarfsplanung bedacht werden. Voraussetzung dafür ist die Festlegung von Qualitätsindikatoren.

FDP

Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass auch weiterhin die freien Berufe im Gesundheitswesen gestärkt und die Versorgung der Patientinnen und Patienten immer weiter verbessert wird. Eine zielgenaue Versorgung kann nur gelingen, wenn die an der Versorgung beteiligten Ärztinnen und Ärzte und sonstigen Leistungserbringer über die notwendige Ausbildung und Qualifikation verfügen. Wir setzen uns insofern für einen konstruktiven Austausch mit und unter den entsprechenden Akteuren im Gesundheitswesen ein. 

SPD

Die Unterversorgung im Bereich der Schmerzmedizin ist erheblich und droht, sich aufgrund der demografischen Entwicklung sogar noch zu verschärfen. Daher brauchen wir eine zeitnahe und weitestgehende Neuaufstellung der schmerzmedizinischen Versorgung und auch eine damit verbundene Reform der Bedarfsplanung, die Bedarfe von Menschen mit und ohne chronische Schmerzen adressiert und die Grenzen der Versorgungsmöglichkeiten berücksichtigt. Das können wir nur durch einen gezielten Aufbau der fachärztlichen Versorgung gekoppelt an die Stärkung der Schmerzmedizin im hausärztlichen Bereich und durch die Schaffung neuer Berufsbilder erreichen, die gemeinsam bei einer Schmerztherapie wirken.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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3.) Welche Maßnahmen planen Sie, um bei einer immer älter werdenden Ärzteschaft und bei den bekannten Nachwuchsproblemen die Nachbesetzung im niedergelassenen Bereich für junge Ärzte attraktiver zu machen?
Wie stehen Sie zur Einführung eines Facharztes für Schmerzmedizin als interdisziplinäres Fach?

CDU / CSU

Die Fragen 1, 3 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
In Europa leiden schätzungsweise 100 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. CDU und CSU sind davon überzeugt, dass Schmerzforschung und -therapie deshalb auf die Agenda der Europäischen Union gehören. Wir setzen uns dabei für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung ein. Der daraus resultierende Mehrwert für Patientinnen und Patienten ist gleichzeitig ein Gewinn für die Gesellschaft. Denn die Rückkehr in ein schmerzfreies oder schmerzarmes Leben, kann die Arbeitsfähigkeit von Betroffenen fördern. Mit Blick auf Deutschland müssen wir die Perspektive einer Facharztausbildung mit entsprechender Vergütung in den Blick nehmen, um den ärztlichen Nachwuchs für die Schmerzmedizin zu begeistern.

DIE LINKE.

Die Linke unterstützt die Einführung einer fachärztlichen Spezialisierung Schmerzmedizin, auch wenn diese Entscheidung in der ärztlichen Selbstverwaltung liegt. Außerdem unterstützt Die Linke die stärkere Berücksichtigung der Schmerzmedizin in der universitären Ausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung. Hier gilt es nicht nur, Interesse für eine spezialisierte Tätigkeit zu wecken, sondern auch, den Stellenwert und die Qualität der Schmerzbehandlung in allen Fachrichtungen zu steigern. Um der demographischen Entwicklung innerhalb der Gesundheitsberufe etwas entgegenzusetzen, reicht es nicht aus, einzelne Aspekte wie beispielsweise die Niederlassung für junge Ärzt*innen attraktiver zu machen, da es nicht nur einen einzelnen Bereich betrifft. Im gesamten Gesundheitssystem müssen Organisationsstrukturen überdacht und neu angelegt werden: Die starre Einteilung in ambulante Versorgung durch Einzelpraxen und stationäre Versorgung in Krankenhäusern verursacht hohe Kosten und macht die Versorgung unflexibel zulasten der Patient*innen.

FDP

Wir Freie Demokraten setzen uns für die Sicherstellung einer flächendeckenden, bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung der Bevölkerung ein. Bedauerlicherweise sind wir in der hausärztlichen, fachärztlichen und stationären Versorgung immer stärker mit Versorgungsengpässen konfrontiert. Es besteht seit längerem erheblicher Reformbedarf hinsichtlich der Rahmenbedingungen für die freiberufliche Tätigkeit von Ärzten in Deutschland. Daher setzt sich die FDP für mehr Freiräume und größere Gestaltungsspielräume für Ärzte ein. Unser Ideal bleibt die wirtschaftlich selbständige Ausübung des freien Berufes in unterschiedlichen Strukturen.

Deswegen wollen wir Freie Demokraten die Niederlassungsfreiheit für Ärztinnen und Ärzte stärken. Wir treten daher für die Niederlassungsfreiheit als Regelfall und mehr regionale Verantwortung ein und wollen zugleich Strukturzuschläge einführen, um mit Vergütungsanreizen die Niederlassung in ländlichen und strukturschwachen Gebieten attraktiver zu machen. Die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag hat sich mit entsprechenden Initiativen für diese Ziele eingesetzt (vgl. BT-Drs. 19/4833 und 19/6417).

Gleichzeitig muss die Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit durch Entbürokratisierung und Entbudgetierung verbessert werden. 

SPD

Im ambulanten Sektor ist derzeit eine erhebliche Dynamik zu beobachten. Zum einen werden die Grenzen zwischen den Versorgungssektoren abgebaut, die kommunalen MVZ, die Großpraxen sowie die KV-Praxen werden gestärkt. Zum anderen wollen die jungen Ärzt*innen sich immer öfter nicht selbstständig machen, sondern bevorzugen eine attraktive Anstellung, bei der sie kein finanzielles Risiko tragen und auch nicht für Miete und Personalkosten aufkommen müssen. Diejenigen, die sich selbständig machen wollen, werden demnächst von der fortschreitenden Entbürokratisierung und Digitalisierung vieler Prozesse im Gesundheitswesen sowie von den kommunalen Vorteilsangeboten in den unterversorgten Regionen profitieren. Die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin erachten wir bei der Versorgung von Menschen mit schwergradig chronifizierten Schmerzen für sinnvoll.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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4.) Die Krankenhausbedarfsplanung in Deutschland führt aktuell zu einem zunehmenden Abbau schmerzmedizinischer stationärer Angebote. 
Wie wollen Sie dieser Entwicklung gegensteuern? Wie wollen Sie die schmerzmedizinische Bedarfsplanung im ambulanten Bereich sichern?

CDU / CSU

CDU und CSU wollen in Europa eine Gesundheitsunion schaffen, die aber nicht zu einer Vereinheitlichung der Gesundheitssysteme führt. Ihre Frage spielt im Europaparlament somit eine untergeordnete Rolle. Für die Planung der Kapazitäten im Klinikbereich sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Wir wirken darauf hin, dass die Gesundheitspolitik der EU die Gesundheitspolitik der Mitgliedstaaten in sinnvoller Weise ergänzt, insbesondere dann, wenn gemeinsames Handeln im Vergleich zu einzelstaatlichen Maßnahmen bessere Erfolge erzielt.

DIE LINKE.

Im gesamten Gesundheitssystem müssen Organisationsstrukturen überdacht und neu angelegt werden: Die starre Einteilung in ambulante Versorgung durch Einzelpraxen und stationäre Versorgung in Krankenhäusern verursacht hohe Kosten und macht die Versorgung unflexibel zulasten der Patient*innen. Dafür müssen die Sektorengrenzen überwunden und regionale Versorgungsnetze aufgebaut werden. Die Linke setzt sich für ein flächendeckendes Netz an spezialisierten Behandlungseinrichtungen wie Schmerzambulanzen ein. Dafür muss die Schmerzmedizin in der Bedarfsplanung zwingend berücksichtigt werden. Wir brauchen insgesamt ein Umdenken: Die Gesundheitsversorgung muss am Bedarf der Menschen ausgerichtet werden, nicht an Profitabilität oder Wirtschaftlichkeit der Behandlung. Die Fallpauschalen müssen abgeschafft und stattdessen Krankenhäusern die tatsächlichen notwendigen Kosten erstattet werden.

FDP

Wir Freie Demokraten stehen einer Stärkung der Schmerzmedizin im Rahmen der Krankenhausreform offen gegenüber. Dazu ist die Berücksichtigung der Schmerzmedizin als eigenständige Leistungsgruppe durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zu prüfen. Für die spätere Zuweisung der Leistungsgruppen sind die jeweiligen Landesbehörden zuständig. Im ambulanten Bereich setzen wir Freie Demokraten uns für mehr Freiräume und größere Gestaltungsspielräume für Ärzte ein. Für eine bedarfsgerechte Versorgung sind insbesondere eine leistungsgerechte Vergütung und flexible Niederlassungsmöglichkeiten notwendig. 

SPD

Die Kassenärztlichen Vereinigungen, Bundesländer und manchmal auch Krankenkassen sind für die Bedarfsplanung der ambulanten und stationären Versorgung zuständig; doch diese ist oft unzureichend. Denn die Planung und Sicherstellung der Versorgung erfolgt sektoren- und interessenbezogen. Wir wollen deshalb einiges ändern und eine integrierte, sektoren- und SGBübergreifende Planung und Versorgung einführen, für die alle regionalen Akteure des Gesundheitssystems gemeinsam in einer Institution die Verantwortung tragen und sich dabei an realen Bedürfnissen orientieren. In unserem Zielbild soll die Versorgung durch an die Praxen und Spezialisten-Zentren angebundene multiprofessionelle Teams erfolgen und stets anhand einer an zahlreiche Indikatoren gekoppelten Outcome Evaluation bewertet werden, die in einem neuen Honorarsystem abgebildet wird. Zudem wollen wir die schmerzmedizinischen Kompetenzen der Hausärzt*innen stärken und neue Berufsbilder in der Gesundheitsversorgung einführen, was zusätzliche Kapazitäten in der Versorgung ermöglicht.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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5.) Die Schmerzmedizin hat große Nachwuchsprobleme, die Arbeitsbedingungen erscheinen jungen Ärzten unattraktiv. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert eine finanzielle Unterstützung der Ausbildung (wie für Hausärzte). Unterstützen Sie diese Forderung?

CDU / CSU

Die Fragen 1, 3 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
In Europa leiden schätzungsweise 100 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. CDU und CSU sind davon überzeugt, dass Schmerzforschung und -therapie deshalb auf die Agenda der Europäischen Union gehören. Wir setzen uns dabei für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung ein. Der daraus resultierende Mehrwert für Patientinnen und Patienten ist gleichzeitig ein Gewinn für die Gesellschaft. Denn die Rückkehr in ein schmerzfreies oder schmerzarmes Leben, kann die Arbeitsfähigkeit von Betroffenen fördern. Mit Blick auf Deutschland müssen wir die Perspektive einer Facharztausbildung mit entsprechender Vergütung in den Blick nehmen, um den ärztlichen Nachwuchs für die Schmerzmedizin zu begeistern.

DIE LINKE.

Feste Quoten oder Prämien für einzelne besonders unterbesetzte Fachrichtungen reichen bei weitem nicht aus, um die Probleme im Gesundheitssystem anzugehen. Damit sich die Arbeitsbedingungen junger Ärzt*innen und aller anderen Gesundheitsfachberufe signifikant verbessern, muss das Gesundheitssystem insgesamt verändert werden. Die Finanzierung muss auf eine breitere Grundlage gestellt werden durch eine Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung, in die alle einzahlen. Wir brauchen einen Umbau hin zu einer gemeinwohlorientierten Medizin, damit mehr Geld im System verbleibt, was bislang als Gewinne an Investoren ausgeschüttet wird. Die Linke setzt sich dafür ein, Gesundheitsberufe attraktiver zu machen durch kürzere Arbeitszeiten und gute Löhne, verlässliche Dienstpläne und bessere Vereinbarkeit. Dazu muss die Tarifbindung erhöht werden, die GKV-Honorare regelmäßig an die Inflation angepasst und das Arbeitszeitgesetz konsequent auch in Krankenhäusern und Rettungsstellen eingehalten werden.

FDP

Vergleichen Sie hierzu die Antwort auf Frage 3.

SPD

Wir schauen mit Sorgen auf die Nachwuchsprobleme und bewerten die Förderung der Weiterbildung positiv. Es wäre wünschenswert, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen die Förderung für alle durch die Unterversorgung betroffenen Fachrichtungen ausbauen und zu diesem Zwecken die Praxen in ihrer Trägerschaft nutzen. Damit könnten sie einen sinnvollen Beitrag für die Sicherstellung der Versorgung leisten.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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6.) Die ärztliche Selbstverwaltung (KBV, Bundesärztekammer) hat bis heute eine angemessene schmerzmedizinische Versorgung der Bevölkerung nicht realisiert. Wie wollen Sie dieses Anliegen politisch wirksam vertreten? Was trauen Sie der ärztlichen Selbstverwaltung überhaupt zu?

CDU / CSU

Die Fragen 2 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
CDU und CSU fordern die deutsche Bundesregierung auf, Versorgungsengpässen entgegenzuwirken und die Schmerzmedizin in aktuellen Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen. 
Den Versorgungsauftrag für die ambulante ärztliche Versorgung sehen wir bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und die Zuständigkeit für die Bedarfsplanungs- Richtlinie beim G-BA, der sie kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.

DIE LINKE.

Die Linke unterstützt die Einführung einer fachärztlichen Spezialisierung Schmerzmedizin, auch wenn diese Entscheidung in der ärztlichen Selbstverwaltung liegt. Zugleich setzen wir uns für die Stärkung schmerzmedizinischer Inhalte im Medizinstudium ein, was auch das Interesse an einem künftigen Schwerpunkt Schmerzmedizin bei den Studierenden vergrößern hilft.

FDP

Wir Freie Demokraten fordern für Deutschland ein liberales Sterbehilfegesetz. Es soll klar regeln, unter welchen Voraussetzungen Menschen Hilfe zur Selbsttötung in Anspruch nehmen und leisten dürfen. Es muss auch die Möglichkeit geben, ein letal wirkendes Medikament zu erhalten. Voraussetzung muss sein, dass der Wunsch frei und eigenverantwortlich sowie im Vollbesitz der geistigen Kräfte gebildet wurde. Für uns gilt das Selbstbestimmungsrecht auch am Lebensende.

SPD

Dieses Problem haben wir erkannt und wollen es ordnungspolitisch durch einen neuen Rechtsrahmen für die integrierte, sektoren- und SGB-übergreifende Planung und Versorgung angehen. Die Selbstverwaltung ist eine wichtige Säule der Versorgung in Deutschland und soll erhalten bleiben. Die Planung und Sicherstellung der Versorgung darf sich aber nicht an den Interessen der einzelnen Sektoren oder Berufsgruppen orientieren, sondern an den realen Versorgungsbedarfen der Menschen und ihrer Gesundheit. Mit der angestrebten Anpassung wollen wir auch mehr Verständnis für den salutogenetischen Ansatz in unserem Gesundheitssystem verankern und so einen zusätzlichen großen Schritt zur angemessenen schmerzmedizinischen Versorgung der Bevölkerung machen.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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7.) Der ärztlich assistierte Suizid wird derzeit kontrovers diskutiert.
Wie wollen Sie die aktuell bestehenden Regelungslücken schließen und dem Missbrauch in der aktuell unsicheren Gesetzeslage vorbeugen?

CDU / CSU

Der assistierte Suizid ist für Parlamentarierinnen und Parlamentarier eine Gewissensfrage. 2023 lehnte der Deutsche Bundestag eingebrachte Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe ab. Eine gesetzliche Regelung in Deutschland steht somit weiter aus. Der Gesetzentwurf, hinter dem sich die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag versammelten, strebte eine Regelung im Strafgesetzbuch an, die geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung grundsätzlich unter Strafe stellt und Ausnahmen normiert, unter denen Förderungshandlungen nicht rechtswidrig sind.

DIE LINKE.

Es gibt in der Linken unterschiedliche Position zur Suizidassistenz durch verschiedene persönliche Erfahrungen, individuelle Wertvorstellungen und Zugänge zu ethischen Fragen am Lebensende. Die Linke ist sich jedoch einig, dass der Wunsch zu sterben nicht durch fehlende schmerzmedizinische Behandlung oder fehlende Palliativ- und Hospizversorgung genährt werden darf. Der Zugang zu den bestehenden Hilfesystemen muss besser kommuniziert werden und diese Hilfen müssen ausgebaut werden.

FDP

Wir Freie Demokraten fordern für Deutschland ein liberales Sterbehilfegesetz. Es soll klar regeln, unter welchen Voraussetzungen Menschen Hilfe zur Selbsttötung in Anspruch nehmen und leisten dürfen. Es muss auch die Möglichkeit geben, ein letal wirkendes Medikament zu erhalten. Voraussetzung muss sein, dass der Wunsch frei und eigenverantwortlich sowie im Vollbesitz der geistigen Kräfte gebildet wurde. Für uns gilt das Selbstbestimmungsrecht auch am Lebensende.

SPD

Die SPD erkennt vollumfassend die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts an. Demnach ist ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, welches die Freiheit einschließt, sich das Leben zu nehmen und hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und diese anzunehmen, wenn sie angeboten wird, ein Ausdruck der persönlichen Autonomie des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft ist, nicht dieses Recht in Frage zu stellen, sondern dafür zu sorgen, dass Menschen bei der schwierigen Lebensentscheidung unterstützt und nicht im Stich gelassen werden. Das muss auch für das medizinische Personal gelten, das sich auf klare EU-weite Haftungsfragen verlassen können soll. Gesundheits- und lelebensgefährdende Laien-Eingriffe, die illegal erfolgen, sowie den Sterbetourismus lehnen wir ab.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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8.) Wie stehen Sie zum Genehmigungsvorbehalt in der Therapie mit Cannabinoiden?
Wie wollen Sie in Zukunft die Versorgung mit Medizinal-Cannabis bei Schwerstkranken unterstützen?
Wie positionieren Sie sich in der Debatte um die Cannabislegalisierung?

CDU / CSU

CDU und CSU nehmen dazu in ihrem gemeinsamen Wahlprogramm zur Europawahl 2024 Stellung: Wir setzen uns für Prävention und die europaweite Ächtung von Drogen ein. Gesellschaftliche Experimente wie die Legalisierung von Haschisch oder anderen Drogen zum Freizeitkonsum lehnen wir entschieden ab. Wir wollen daher keine Legalisierung von Cannabis. Im Gegensatz dazu steht die kontrollierte Abgabe von Cannabis zum medizinischen Gebrauch. Die weitere Erforschung des medizinischen Nutzens und der Nebenwirkungen von Medizinalcannabis gilt es weiter zu unterstützen.

DIE LINKE.

Die Linke setzt sich für eine umfassende Legalisierung von Cannabis ein. Die in Deutschland erfolgte Entkriminalisierung reicht bei weitem nicht aus. Außerdem müssen die gesetzlichen Regeln zur medizinischen Verwendung von Cannabis im Sinne der Patient*innen geändert werden. Dazu gehört, dass der Zugang generell entbürokratisiert und der Einsatz von Cannabis als Medizin auch bei weniger schweren Erkrankungen ermöglicht werden muss.

FDP

Wir Freie Demokraten wollen das EU-Recht reformieren, um den Mitgliedstaaten die kontrollierte Freigabe von Cannabis und eine eigenständige Drogenpolitik zu ermöglichen. Ein Verbot kriminalisiert unzählige Menschen, bindet immense Polizeiressourcen und erleichtert durch illegalen Kontakt zu Dealern den Einstieg zu härteren Drogen. Mit der nunmehr beschlossenen Teil-Legalisierung und Entkriminalisierung von Cannabis in Deutschland haben wir in Regierungsverantwortung für einen längst überfälligen Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik gesorgt. 

Im Zuge der Reform wurde Medizinialcannabis richtigerweise aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen und bessere Möglichkeiten für den Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland geschaffen. Schon jetzt hilft Medizinalcannabis gegen zahlreiche Krankheiten wie Endometriose, Epilepsie oder Multiple Sklerose. Jene, die Medizinialcannabis benötigen, sollen es schneller und einfacher bekommen. Für die Verschreibung von Cannabis als Medizin wurden die Fristen für den Genehmigungsvorbehalt jetzt reduziert - aus unserer Sicht sollte der Vorbehalt in einem nächsten Schritt ganz abgeschafft werden.

SPD

Die SPD spricht sich für eine weitere Lockerung des Genehmigungsvorbehalts in der Therapie mit Cannabinoiden aus. Cannabis-Verordnungen im Rahmen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) bedürfen schon jetzt grundsätzlich keiner Genehmigung. Dies soll auch für alle Schwerstkranken unabhängig vom Versorgungserbringer gelten. In der Debatte um die Cannabislegalisierung gilt für die SPD: Die prohibitionistische Drogenpolitik der vergangenen Jahrzehnte ist gescheitert. Der Schwerpunkt der neuen Cannabispolitik liegt auf Gesundheits- sowie Kinder- und Jugendschutz.

Bündnis 90 / Die Grünen*

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