DGS sieht Kürzungen im bundesweiten Innovationsfonds des G-BA differenziert

Beim Innovationsforum der DGS 2025 stehen patientennahe Innovationen und neue Therapiekonzepte im Fokus

München, 16. Oktober 2025 – Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) reagiert zurückhaltend auf die beschlossene Halbierung des Innovationsfonds durch das Bundesgesundheits-ministerium. Anders als vielfach erwartet, bewertet die DGS diesen Schritt nicht als Nachteil für die Schmerzmedizin.

„Bislang wurden durch den Innovationsfonds zwar zahlreiche Projekte gefördert, doch viele davon blieben im wissenschaftlichen ‚Elfenbeinturm‘ und fanden kaum Eingang in die Regelversorgung“, erklärt Dr. Richard Ibrahim, Präsident der DGS. „Die Halbierung des Fonds ist daher nicht wirklich bedauerlich, wenn dadurch die Beiträge der Versicherten stabil bleiben. Entscheidend ist jedoch, dass Innovationen, die den Patientinnen und Patienten direkt und individuell helfen, weiterhin gefördert werden.“

Einen solchen praxisnahen Innovationsansatz verfolgt die DGS mit ihrem Innovationsforum 2025 am 14./15.11.2025 im Münchner H4-Hotel. Die Fachveranstaltung steht unter dem Motto „Schmerzmedizin konservativ – invasiv – neuromodulativ“ und richtet sich an Fachärzte und Schmerzmediziner ebenso wie an ALFAs, Pain Nurses, Apotheker und pharmazeutisches Fachpersonal. Das zweitägige Programm verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse, praxisorientierte Workshops und interdisziplinären Austausch. Schwerpunkte sind Kopf- und Rückenschmerzen, Cannabistherapie, Schlafmedikation und neuromodulative Verfahren. Drei exemplarische Programmhighlights:
 

  • Der Vortrag „Medikamentöse Migräneprophylaxe im Kindes- und Jugendalter“ hinterfragt den Zusammenhang zwischen Migräne und Depression. Menschen mit Migräne leiden deutlich häufiger an Depressionen, was ihre Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigt. Die Zahl junger Migränepatienten steigt, auch durch vermehrten Handykonsum, Stress und unregelmäßigen Schlaf. Kinder, Jugendliche und ältere Männer sind in Migräne-Studien oft Randgruppen, da die Forschung sich überwiegend auf Frauen mittleren Alters konzentriert. Migräne bei Männern wird daher häufig unterschätzt, weil die Symptome oft anders sind als bei Frauen.
     
  • Im Vortrag „Opiatgestützte Symptomkontrolle im Rahmen von PAMORA – Strukturierte Ansätze für die klinische Praxis“ wird das empfohlene WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie als veraltet kritisiert. Insbesondere der Einsatz von Opioiden als letzte Behandlungsstufe wird hinterfragt, da sie Nebenwirkungen und Abhängigkeit verursachen können. Cannabinoide werden als mögliche Alternative oder Ergänzung zu Opioiden diskutiert, da sie Schmerzen lindern und den Schlaf verbessern können. Ihre Anwendung muss jedoch wegen möglicher Nebenwirkungen sorgfältig geprüft werden. Diese Entwicklungen zeigen, dass das Stufenschema dringend weiterentwickelt werden muss.
     
  • Im Vortrag „Neuromodulation: Open Loop vs. Closed Loop-Verfahren – Wann ist welches Verfahren die richtige Wahl?“ geht es neuromodulative Therapien wie den Schmerzschrittmacher, eine moderne Behandlungsmethode bei chronischen Schmerzen, von der viele Betroffene noch wenig wissen. Der Schmerzschrittmacher wird meist im Rücken implantiert und sendet elektrische Impulse an die Nerven, um Schmerzen zu reduzieren. Es gibt zwei Systeme: Open Loop mit festen Impulsen und Closed Loop, das die Impulse automatisch anpasst. Neuromodulation kann die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten deutlich verbessern, besonders wenn andere Therapien nicht ausreichen.
     

Die Teilnahme am Innovationsforum ist für Presse und Fachbesucher kostenfrei, Workshops sind kostenpflichtig. Eine begleitende Industrieausstellung zeigt neueste Entwicklungen aus Medizin und Pharmazie. Die Pressekonferenz findet am 14.11.2025 um 11 Uhr statt.

Weitere Informationen: https://www.dgschmerzmedizin.de/kongresse/innovationsforum-der-dgs/

>>> Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) <<<

Mit über 4.000 Mitgliedern und 121 Schmerzzentren ist die DGS die größte Versorgergesellschaft für Menschen mit chronischen Schmerzen in Deutschland. Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet unter chronischen Schmerzen, vor allem an Kopf-, Rücken- und Nervenschmerzen. Die DGS setzt sich für bessere Versorgungsstrukturen, qualitätsgesicherte Diagnostik und individuelle Therapiekonzepte ein. Mit Veranstaltungen wie dem Innovationsforum 2025 und den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen 2026 treibt sie den interdisziplinären Austausch und die Weiterentwicklung der Schmerz- und Palliativmedizin konsequent voran. Auch international richten sich die Blicke der Schmerzmedizin zunehmend auf minimalinvasive Methoden wie vertebrogene und ISG-Therapien. Die DGS verfolgt diese Entwicklungen und prüft, wie innovative Verfahren künftig in die Versorgung eingebunden werden können.

PRESSEKONTAKT (NEU seit 1.9.2025)
B2 talk & tv produktion GmbH Ansprechpartnerin: Anja Baer T: +49 30 9700 5030 M: dgschmerzmedizin@b2-berlin.de
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. Lennéstraße 9 | 10785 Berlin T: 030 – 85 62 188 – 0 M: info@dgschmerzmedizin.de