Betroffenen den Zugang zu wirksamen Behandlungen schneller ermöglichen

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„DGS-Initiative chronischer Kopfschmerz II - Für eine fachübergreifende Verbesserung der Primärversorgung“
Betroffenen den Zugang zu wirksamen Behandlungen schneller ermöglichen

Berlin, 15. November 2023. Die „DGS-Initiative chronischer Kopfschmerz II - Für eine fachübergreifende Verbesserung der Primärversorgung“ wird verlängert. Ziel der Initiative, die im vorigen Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) mit Unterstützung von Sponsoren gegründet wurde, ist es, die Basisversorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Kopfschmerzen, allen voran Migräne, zu verbessern. Dazu bietet die Fachgesellschaft Ärztinnen und Ärzten Zugang zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Behandlungsmethoden und praktische Hilfestellung im Versorgungsalltag – z. B. mit dem neuen DGS-PraxisLeitfaden. Da Migräne besonders Frauen betrifft, kooperiert die DGS mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e.V., um auch in dieser Fachgruppe das Bewusstsein für die Erkrankung zu verstärken. Die Initiative wird von AbbVie, Novartis und TEVA über eine Poolfinanzierung gefördert.

In Deutschland sind pro Tag mehr als 900.000 Menschen von Migräne betroffen, 100.000 Personen sind pro Tag aufgrund ihrer Migräne arbeitsunfähig und bettlägerig.1 Laut WHO steht die Migräne auf Platz 1 der am schwersten behindernden Erkrankungen bis zum 50. Lebensjahr, insbesondere bei Frauen.2 Die Einjahres-Prävalenz der Migräne ist bei Frauen im reproduktiven Alter deutlich höher als bei gleichaltrigen Männern (18 vs. 6 Prozent).3 Neben Fachkräften in der allgemein- und schmerzmedizinischen Versorgung sind daher auch Gynäkologinnen und Gynäkologen eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene. Ziel der Maßnahmen ist es, Primärversorgern die Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen gerade fachübergreifend zu erleichtern.

Frühen Zugang zu effektiven Therapien ermöglichen
In der Akuttherapie ist ein häufiges Problem der Medikamentenübergebrauch. Hier gilt die sogenannte 2/3/10-Regel, nach der die Einnahme von Schmerzmitteln auf alle zwei Stunden an maximal drei aufeinanderfolgenden Tagen und auf maximal 10 Tage im Monat begrenzt werden sollte. Eine medikamentöse Prophylaxe ist bei mehr als vier Migränetagen pro Monat indiziert. Die Verordnung einer spezifischen Prophylaxe mit den kausal wirksamen und meist
gut verträglichen monoklonalen Antikörpern (mAK) gegen CGRP-Rezeptoren ist bisher jedoch erst nach Versagen der unspezifischen Prophylaktika möglich. Hier sieht die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin Handlungsbedarf. „Uns ist es wichtig, Betroffenen so früh wie möglich Zugang zu einer effektiven Therapie zu ermöglichen und den Leidensweg damit erheblich zu verkürzen“, fasst Dr. Johannes Horlemann, Präsident der DGS, das Hauptanliegen der DGS-Initiative chronischer Kopfschmerz II zusammen. In bestimmten Fällen chronischer Migräne könne außerdem Botox das Mittel der Wahl sein. Eine gute Wirksamkeit haben auch nichtmedikamentöse Verfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, die allerdings zu selten zum Einsatz kommen, so PD Dr. Michael A. Überall, Vizepräsident der DGS.

DGS-PraxisLeitlinie und DGS-PraxisLeitfaden bieten Unterstützung im Praxisalltag
Detaillierte Informationen sowie einen Therapiealgorithmus für die medikamentöse Therapie und Prophylaxe finden Versorgerinnen und Versorger in der PraxisLeitlinie „Primäre Kopfschmerzerkrankungen“ sowie in der dazugehörigen Kurzfassung, dem PraxisLeitfaden “Medikamentöse Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen“. Die Publikationen sind Ergebnis der DGS-Initiative Kopfschmerz I. Neben Publikationen wie der PraxisLeitlinie und dem PraxisLeitfaden sollen auch CME-zertifizierte Fortbildungsangebote Primärversorgern im Behandlungsalltag helfen. Zusätzlich ist eine Literaturplattform zur aktuellen Evidenz in der Behandlung chronischer Kopfschmerzen geplant.

DGS kooperiert mit Deutscher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
„Da Migräne häufig hormonell beeinflusst wird und Gynäkologinnen und Gynäkologen für junge Frauen oft die primären ärztlichen Ansprechpartner sind, freuen wir uns über die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)“, so Horlemann. „Wir werden einige der Aktivitäten gemeinsam umsetzen, um diese wichtige Zielgruppe der Gynäkologinnen und Gynäkologen zu erreichen“, schließt Horlemann.

Die Initiative wird finanziell unterstützt von den drei Unternehmen
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG
Novartis Pharma GmbH
Teva GmbH

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Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit rund 4.000 Mitgliedern und 120 Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft zur Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga e. V. ist es ihr vorrangiges Ziel, die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern – durch eine bessere Diagnostik und eine am Lebensalltag des Patienten orientierte Therapie. Dafür arbeiten die Mitglieder der DGS tagtäglich in ärztlichen Praxen, Kliniken, Schmerzzentren, Apotheken, physiotherapeutischen und psychotherapeutischen Einrichtungen interdisziplinär zusammen. Der von der DGS gestaltete jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und Palliativtag zählt seit 1989 auch international zu den wichtigen Fachveranstaltungen und Dialogforen. Aktuell versorgen etwa 1.321 ambulant tätige Schmerzmediziner die zunehmende Zahl an Patienten. Für eine flächendeckende Versorgung der rund 3,9 Millionen schwerstgradig Schmerzkranken wären mindestens 10.000 ausgebildete Schmerzmediziner nötig. Um eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen zu erreichen, fordert die DGS ganzheitliche und bedürfnisorientierte Strukturen – ambulant wie stationär – sowie eine grundlegende Neuorientierung der Bedarfsplanung.

 

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1 Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). DGS-Praxisleitfaden: Medikamentöse Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen. Berlin 2023.
2 Steiner, TJ et al.: Migraine is first cause of disability in under 50s: will health politicians now take notice? J Headache Pain. 2018; 19(1): 17. Published online 2018 Feb 21. doi: 10.1186/s10194-018-0846-2
3 Stewart, W. F. et al.: Prevalence of migraine headache in the United States. Relation to age, income, race, and other sociodemographic factors. Jama 1992;267(1): 64-69.